Open Source - FOSS

War der Begriff Open Source bis vor einigen Jahren relativ nichtsagend für Nicht-Beteiligte, ist er jetzt, zumindest als Schlagwort, einer breiteren Schicht von ComputernutzerInnen bekannt. Nicht zuletzt ist das Projekten wie Linux, OpenOffice, Firefox, Thunderbird, usw zu verdanken.

Begriffsklärungen:

OpenSource: Was macht eigentlich OpenSource aus? Auf einer einfachen Ebene heißt dies nur, das der Quellcode (Source) eines Computerprogramms zur freien Einsicht verfügbar ist (im Gegensatz zu closed source, wo das nicht erlaubt ist). Dadurch ist es möglich zu sehen, wie ein Programm aufgebaut wurde (um zu verstehen, was das Geschriebene bedeutet und welche Verhaltensweisen eines Programms dadurch initiiert werden, ist es hilfreich die Syntax der jeweiligen Programmiersprachen zu kennen;-). Es heißt aber nicht automatisch, dass das Programm gratis oder frei veränderbar ist (Anbieter kommerzieller Software stellen ihren Kunden zT auch den Quellcode zur Verfügung)

FOSS: Free and Open Source Software, auch als FLOSS (Free/Libre/Open Source Software ) bezeichnet.In der Regel wird OpenSource als Synonym für FOSS verwendet. Dies ist eigentlich nicht korrekt, da hinter FOSS eine besser formulierte Ideologie steht. Hierbei liegt der Hauptaspekt auf der Freiheit des Anwenders. Gut ausgedrückt in dem bekannten Zitat: „To understand the concept, you should think of free as in free speech, not as in free beer.

Einer der schillernsten und zugleich umstrittensten Personen in diesem Kontext ist Richard Stallman, von dem auch das obige Zitat stammt. Er beharrt sehr stark auf dem Unterschied zwischen Open Source und “Freier Software” (vgl. seine Interviews unten oder hier)

Nach ihm muss “Freie Software” folgende Eigenschaften haben (Quelle) :

Freie Software bedeutet die Freiheit des Benutzers, die Software zu benutzen, zu kopieren, sie zu vertreiben, zu studieren, zu verändern und zu verbessern. Genauer gesagt, bezieht sich der Begriff »Freie Software« auf vier Arten von Freiheit, die der Benutzer der Software hat:

  • Die Freiheit, das Programm für jeden Zweck zu benutzen (Freiheit 0).
  • Die Freiheit, zu verstehen, wie das Programm funktioniert und wie man es für seine Ansprüche anpassen kann (Freiheit 1). Der Zugang zum Quellcode ist dafür Voraussetzung.
  • Die Freiheit, Kopien weiterzuverbreiten, so dass man seinem Nächsten weiterhelfen kann (Freiheit 2).
  • Die Freiheit, das Programm zu verbessern und die Verbesserungen der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, damit die ganze Gemeinschaft davon profitieren kann (Freiheit 3). Der Zugang zum Quellcode ist dafür Voraussetzung.

Hier einige Links:

Interview „ Free Software, Free Society!“ 2004: Audio File, Transkript

Interview auf der Wikimania 2005

Video: Richard Stallman - What is free software?

EIn guter Überblick findet sich auch hier

Mark Shuttleworth zu FOSS:

Lizenzen:

Wie viele andere Objekte der Begierde (Musik, Filme, ..) stehen auch Computerprogramme unter einer Lizenz, welche die Art und den Umfang der Nutzung, Rechte und Pflichten des Nutzers definiert (also ein Vertrag zwischen Hersteller und Nutzer). Es gibt eine große Anzahl von verschiedene Lizenzen, hier eine Liste von freien Lizenzen http://www.opensource.org/licenses/alphabetical . Eine der wichtigsten Lizenzen ist die GPL (General Public License)

Warum eigentlich den Quellcode eines Programms freigeben? Richard Stallman formuliert es meiner Ansicht nach ganz treffend:

Der fundamentale Akt von Freundschaft unter denkenden Wesen besteht darin, einander etwas beizubringen und Wissen gemeinsam zu nutzen. Dies ist nicht nur ein nützlicher Akt, sondern es hilft die Bande des guten Willens zu verstärken, die die Grundlage der Gesellschaft bilden und diese von der Wildnis unterscheidet. Dieser gute Wille, die Bereitschaft unserem Nächsten zu helfen, ist genau das, was die Gesellschaft zusammenhält und was sie lebenswert macht. Jede Politik oder jedes Rechtssystem, das diese Art der Kooperation verurteilt oder verbietet, verseucht die wichtigste Ressource der Gesellschaft. Es ist keine materielle Ressource, aber es ist dennoch eine äußerst wichtige Ressource.

Im besten Fall trägt die Idee der “Freien Software” zu einer Wissensallmende bei, die nicht durch die “Tragedy of the Commons” zum Scheitern verurteilt wird. Inwieweit diese Bewegung zur Verringerung der Wissenskluft bzw. der digital divide beiträgt (noch weiter beitragen kann), wäre sicherlich ein interessantes Forschungsfeld.

Ein auf alle Fälle passendes Zitat von Augustinus von Hippo:

Omnis enim res, quae dando non deficit, dum habetur et non datur,
nondum habetur, quomodo habenda est.
” (heißt ungefähr: Denn jede Sache, die durch Weitergabe
an andere nicht verliert, besitzt man nicht, wie man soll, solange
sie nur besessen und nicht an andere weitergegeben wird” (De doctrina christiana 1.1)

N.B.: Nicht nur für Begrifflichkeiten rund um obige Themen, ein vielleicht hilfreicher Glossar http://www.bpb.de/themen/8WV1ZQ,,0,Glossar.html

Links:

ARTE Doku: Codename Linux

FOSS, die Firma und der Markt: http://www.bpb.de/themen/4VXBTJ,0,FOSS_die_Firma_und_der_Markt.html

Das Open Source Jahrbuch: http://www.opensourcejahrbuch.de

Gründe für FOSS: http://www.dwheeler.com/oss_fs_why.html

BBC Doku FOSS and Development: Codebreakers Teil1 Teil2

Quellen:

Moody, Glyn (2001): Die Software-Rebellen. Die Erfolgsstory von Linus Torvalds und Linux. Sonderausg. [München]: Linux New Media.

Grassmuck, Volker (2004): Freie Software. Zwischen Privat- und Gemeineigentum. 2., korr. Aufl. Bonn: Bundeszentrale für Politische Bildung (Schriftenreihe / Bundeszentrale für Politische Bildung, 458). Online verfügbar unter: http://freie-software.bpb.de/ (Stand: 03.06.200 8)

Torvalds, Linus; Diamond, David (2003): Just for fun. Wie ein Freak die Computerwelt revolutionierte. 3. Aufl., ungekürzte Ausg. München: Dt. Taschenbuch-Verl.

One Response to “Open Source - FOSS”

  1. Vielen Dank für die Begriffserklärungen von OS und FOSS. Konkrete Softwarebeispiele für beide Begrifflichkeiten würden mich noch interessieren. Meiner Erfahrung nach wird zumindest bei den Ploneprogrammierern von Open Source gesprochen, obwohl sie eben Freie Software meinen.

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